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28. Rallye MSC Fränkische Schweiz  

"Schrauben bis auf die letzte Minute oder die stressigste Rallye aller Zeiten"
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Die 28. Rallye in Hollfeld lässt sich diesmal nicht einfach kurz zusammenfassen.
So einen Stress im Vorfeld gab es bei einer Rallye noch nie. Wir waren echt kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Eine Woche vorher konnte ja Team RoDi bei der Siegerland-Westerwald nicht an den Start gehen, weil der Audi erst einen Getriebeschaden und dann einen Kolbenfresser hatte und im Endeffekt die Zylinderkopfdichtung nicht rechtzeitig geliefert werden konnte. Montag waren alle Schäden beseitigt und Mittwoch ging dann bei der Probefahrt durch einen Kabelbrand der Luftmengenmesser kaputt. Auch diese Schäden wurden behoben. Der Motor lief wieder, klackerte aber ganz schrecklich und nach einem kurzen Blick in einen Zylinder mussten wir mit Schrecken feststellen: Pleuellagerschaden. Das war Donnerstagabend. Thorsten hat sofort im Lagerbestand der Zulieferer gesucht, hat aber keines gefunden. Das war es gewesen für Alex. Er machte schon einen Haken an diese Rallye und beschloss jetzt erstmal ein Bierchen zu trinken. Aber wir waren nicht die Einzigen, die enttäuscht waren. Kröllchen kam später mit seinem Golf bei seiner Probefahrt vorbei und erzählte von seinen Zündproblemen. Auch er hatte die Woche schon die Zylinderkopfdichtung gewechselt. Thorstens Altgeselle Hans – ein Genie in Sachen Vergaser einstellen- schaute sich die Sache mal genauer an. Die Vergaser waren nicht dicht am Flansch zur Ansaugbrücke. Alex machte sich gleich ans Werk und baute die Vergaser aus und ihm war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst, dass er diese bis Freitagabend insgesamt noch 6-mal aus und einbauen wird. Ja, genau: Freitagabend. Um 15.00 Uhr war die Abfahrt geplant. Endlich losgefahren sind wir allerdings erst um 17:30 Uhr. Die Lager hab ich um 13:15 Uhr bei Audi in Gießen abgeholt und bin gleich nach Bessingen gefahren und hab sie bei Thorsten in der Werkstatt abgegeben. Hans hat sich gleich an die Arbeit gemacht. Vielen Dank auch an die zwei Azubis – Marvin und Christoph - von Thorsten für die Mithilfe.

Die ganze Planung war hin, Koffer noch nicht gepackt, Autos nicht gewaschen, nicht getankt. Es war eigentlich noch gar nix gemacht und die Autos liefen noch nicht mal. Aber das aller, allerschlimmste: wir wollten eigentlich mal einen Aufschrieb üben, denn dies sollte ja meine erste Rallye werden. Aber da Alex ja sowieso bis zum Schluss geglaubt hat, dass der Audi nicht läuft, war es nicht so wichtig! Hat er ja auch Recht. Für was braucht man einen Aufschrieb, wenn der Schlitten nicht läuft. Irgendwann so um 16.00 Uhr liefen dann der Golf und der Audi und überstanden auch die Probefahrt. Team Billy stand schon längst im Stau auf der A5 (jetzt wussten wir, wo wir nicht lang fahren) und Thorsten hatte auch schon längst aufgeladen und war abfahrtbereit. Los ging es. Alex Schmidt half mir noch schnell beim Koffer packen, mein Alex ging schnell noch unter die Dusche und der Rest hat den Audi gewaschen und aufgeladen. Punkt 16:30 Uhr sind wir dann los gefahren und haben es tatsächlich noch in Hollfeld zur technischen Abnahme geschafft – als die letzten drei Autos des Abends! Puuuh, das war ein Stress. Ach ja, zwischendurch haben wir auch noch am Rasthof Rhön die Christina aufgegabelt. Sie hatte schon einige Zeit im Auto verharrt.
Nach dem ganzen Stress hatten wir uns erst mal eine Pizza verdient. Wie gewohnt, am Marktplatz! Dort trafen wir auch ein paar Bekannte Gegner und hielten noch einen gemütlichen Plausch bei einem Bierchen. Ins Bett sind wir viel zu spät, aber das lag einfach an den ganzen Umständen. Nach nur 4 Stunden Schlaf – nämlich um 5 Uhr – klingelte mein Wecker. Um sechs sind wir ohne Frühstück ins Rallye-Zentrum. Das Hotel weigerte sich, das Frühstück eine halbe Stunde früher, als üblich aufzutischen. Im Rallye-Zentrum gab es zum Glück belegte Brötchen, aber ich hatte mir eh vorgenommen nichts zu essen und zu trinken.
Ist ja alles Gewicht, hat mein Fahrer gesagt (kleiner Scherz). Nein, ich wollte einfach kein Risiko eingehen. Lange haben wir uns dort nicht aufgehalten. Es ging gleich weiter zu Abfahren der Strecke. Alex hat mir die Kurven angesagt und ich hab sie aufgeschrieben. Dann wurde die Strecke noch einmal zur Überprüfung abgefahren. Und dann: Absolutes Chaos. Ich hab nichts hinbekommen. Das hatte mir aber Simon vorher schon gesagt. Eine kurze Prüfung mit vielen engen Kurven ist einfacher als so eine Autobahn. Ich hab die „Voll-Kurven“ absolut nicht sehen können und Alex war irgendwann auch schon ein bisschen genervt. „Zu schnell, zu langsam.“ Verlesen hab ich mich auch ständig. Ich war total nervös.
Alex hat mir dann gut zugeredet und gesagt, dass wir dann halt auf Sicht fahren. Nach über vier Stunden Input saß ich dann mit tierischen Kopfschmerzen, einem scheiß Gefühl im Magen und einer dermaßen großen Unsicherheit im Rallyeauto auf dem Weg ins Parc Fermé. Wir stellten den Audi ab und ich durfte meinem Fahrer noch einen Kaffee besorgen. Ich setzte mich auf einen Stein und lies mich ein wenig von den anderen anschlag-quer lern bedauern. Stefan Schork gab mir noch den Tipp, dass wenn ich mich scheiden lassen wollte, soll ich doch mit meinem Ehepartner Rallye fahren. Meine Aufgabe war es noch, die Startzeit fest zu stellen. „12:16 Uhr“. Wir reihten uns in die Schlange vorm Start ein und ich durfte zum ersten Mal stempeln. Hab ich auch prima hingekriegt. Was auch ehrlich gesagt, gar nicht mal so schwierig war. Jetzt hatten wir 10 Minuten bis zum nächsten Mal stempeln bei WP 1 „Stadtwald“. Die Rallye hatte begonnen, aber das war mir wohl nicht so ganz bewusst. Ca. 5 Minuten später standen wir am Vorstart von WP 1 und ich stieg aus um zum Stempelhäuschen zu laufen. Alex sagte noch zu mir „Jetzt wird´s ernst“. Genauso einen Spruch hab ich in diesem Moment gebraucht. Ich lief in Richtung Häuschen und überlegte: „Jetzt hast du noch die Chance, alles hin zu schmeißen“. Meine Schritte wurde als kürzer und ich hatte nur noch einen Gedanken: „Wie kommst du jetzt da raus?“.
Aber ich hatte mir das eingebrockt und jetzt musste ich da durch. Also stempeln und ins Auto. Dort brach jetzt erst mal voll die Panik aus. Scheibe hoch, anschnallen, Helm auf, Aufschrieb nehmen. Als ich meinen Helm aufsetzten wollte stellte ich erstmal fest, dass wir in der Hektik vergessen hatten, das Innenfutter einzubauen. Dafür war jetzt keine Zeit mehr, also flog das Innenfutter in den Fußraum. Was auch ein bisschen doof war: ich hatte den Helm vorher nicht ausprobiert und der hatte einen ganz anderen Verschluss als mein Motorradhelm. Aber nach ein bisschen Gefummel hatte ich ihn dann auch zu. Als ich dann fertig verpackt war, ist Alex an den Start gefahren und mir war klar: Jetzt geht kein Weg zurück. Draußen brüllte einer „30“ und irgendwann hielt er Alex die Hand vor das Gesicht. Der Motor wurde mittlerweile mit getretener Kupplung auf Drehzahl gehalten. Jetzt wurde ich auf einmal ganz, ganz ruhig und mir war klar: Wenn du jetzt scheiße baust, dann kann das richtig ins Auge gehen. Ich ging quasi in mich. Draußen zählte plötzlich einer „Fünf, Vier“. Ich blickte auf meinem Aufschrieb und sah vor mir auf die Strecke. „Drei, Zwei“ ging es draußen weiter. Alles ging, wie in Zeitlupe. Plötzlich ging es los. Alex raste los und aus mir schoss es heraus: „100 über Kuppe 30 rechts voll macht zu auf Schotter sofort links voll…“. Ich merkte sofort, das passt jetzt plötzlich und musste erstmal einen innerlichen Lustschrei loslassen. Die Übelkeit, das schlechte Gefühl, alles war weg und ich hatte einfach nur noch Spaß. Alex fand es glaube nicht so spaßig. Sein Geschnaufe über die Sprechanlage verriet mir, dass es wohl sehr anstrengend ist. Wo wir lang gefahren sind, hab ich gar nicht mitbekommen. Ich hab einfach nur gelesen und geschaut, dass es irgendwie passt. Als wir in das Kieswerk rein sind, hab ich das mal kurz mitbekommen, weil sich da in meinem Blickwinkel die Farben der Landschaft von grün auf grau geändert haben. Ich erinnerte mich. Hier haben wir letztes Jahr gestanden und uns die „80 an Erdhügel Einfahrt rechts 3 sofort links 3“ angeschaut. Vom Inbord her kannte ich die Strecke auch, aber ich wusste zu einer Zeit wo wir jetzt sind. Ich sah einfach nur den Aufschrieb – der übrigens als höher rutschte – und die nächste Kurve.
Das Prinzip einer Sprechanlage hatte ich noch nicht so ganz verstanden. Zum Glück hatte sie eine Lautstärkenregelung. Alles ging voll schnell und ruck zuck war es auch schon wieder vorbei. „100 Stopp“ war meine letzte Ansage und wir blieben stehen. Jetzt musste ich mich erst mal sammeln und meine Karte raushalten. Alex zog schon mal den Helm ab und hängte ihn nach hinten. Dann fuhr er gleich weiter. Ich hatte natürlich sofort mein Roadbook parat und schaute erst mal, wo wir lang mussten. Dann musste ich erst mal loswerden, was in mir vorging. Ich bin halt eine Frau und Alex war grad der einzige Mensch im Raum. Ich quasselte ihm erst mal fünf Minuten lang die Ohren blutig (Gruß an Alex Kröll). Ich war echt begeistert. Alex hat mich dann beruhigt und wieder runter geholt. Außerdem musste ich ja gucken, wo wir lang mussten. Ich freute mich tierisch auf die nächste WP und konnte kaum den nächsten Start abwarten. Diese scheißlangen Verbindungsetappen.
So fuhren wir eine WP nach der anderen und ich hab mich nicht einmal verlesen oder war unsicher. Schade fand ich eigentlich nur, dass ich draußen gar nix gesehen habe. Alles war nur im Blickwinkel. Ab WP 4 hab ich dann schon mal ein bisschen was erkennen können. Das lag aber vielleicht auch an den vielen „vollen langen“ Kurven.
Um 16:00 Uhr herum sind wir dann im Rallyezentrum am Ziel angelangt und haben uns in der Stadthalle erstmal ein Bierchen gegönnt. Alex war zufrieden mit mir. Nur einmal hab ich zu langsam und einmal zu schnell vorgelesen. Ich war zufrieden mit dem Lob. Plötzlich kamen unsere Mitgereisten Fans Alex(andra), Manfred, Christina, Marvin und Tanja in die Stadthalle und irgendetwas schien nicht in Ordnung zu sein. Alex hielt uns wortlos ihr Handy unter die Nase. Zu sehen war ein Bild von Team Beetz´s „is“ – in der Mitte des Kühlers ein Baum. Auf WP 3 gab es einen fliegenden Baumwechsel und Thorsten konnte einem nicht mehr ausweichen. Schade, er wäre so gern noch weiter gefahren, aber der Beifahrer konnte nichts mehr sehen. Die Motorhaube versperrte ihm die Sicht. Also holten wir den Anhänger und fuhren zu WP 3 „Brunn“. Fahrer und Beifahrer waren gut drauf, haben sich allerdings geärgert, dass weit und breit kein Bierstand in der Nähe war.
In der Zwischenzeit waren dann Team Billy und Team Maulwurf im Ziel angekommen. Team Billy hatte keine Probleme und ist sauber gefahren. Team Maulwurf war leicht übermotiviert und hat auf WP 4 „Herzogenreuth“ kurze Bekanntschaft mit dem Acker gemacht. Es kann natürlich auch sein, dass er mal schnell seinen Beifahrer im Wald entsorgen wollte. Dann merkte er aber, dass zu viele Zuschauer in der Nähe waren, nahm den mitgebrachten Schwung und fuhr wieder aus dem Acker heraus.
Nachdem wir Team Beetz eingesammelt hatten, trafen wir uns bei uns im Hotel mit den restlichen Teams und aßen erst mal was. Dann sind wir – kurz vorm verdursten – in die Stadthalle zur Siegerehrung. Im unteren Stock haben wir uns erst gar nicht lange aufgehalten, sondern sind gleich in den oberen Stock an die Asbach-Theke. Die Ergebnisse hat dann einer zufälliger Weise auf dem Weg zum Klo entdeckt und mitgebracht. Team Billy ist mit dem 39. Gesamt leider einen Platz am Klassenpokal vorbei allerdings sehr zufrieden. Es waren ja immerhin auch 180 Starter. Wir landeten auf einem 23. Gesamtplatz! In der Klasse natürlich nicht unter den ersten. Ist halt eine Autobahn und da muss man auch einen Nagel im Kopf haben.
Allerdings haben unsere Teams auf WP 6 „Asbach-Theke“ die Bestzeit gefahren. Während wir schon lange in unserem Bett lagen, haben Team Maulwurf und Team Billy mit Christina und Alex(andra) noch die Stadthalle unsicher gemacht. Nachdem dann allerdings Billy von einem Kerl (Päääh) zum tanzen aufgefordert wurde, sind alle dann in Billys Bus geflüchtet. Dort wurde dann kräftig weiter gefeiert, Beifahrer dekoriert und „Butterfly“ gesungen. Irgendwann sind dann alle mit einem Taxifahrer – der unbedingt mal Rallyefahrer werden will – ins Hotel zurück gefahren. Dort beichteten die Mädels dann Billy und Udo, dass sie sich dessen Zimmer unter den Nagel gerissen hatten. Mit Fernseher und schönerem Bad. Dafür durfte dann Billy noch eine Stunde bei den Mädels auf der Bettkante sitzen und „Sexy Sportclips“ gucken. Um halb sechs ging es dann auch für den Rest endlich in die Falle.

Am nächsten Tag trafen wir uns dann am Parc Fermé zum aufladen (Thorsten is mussten wir ja nicht mehr aufladen). Alex Kröll war extrem schlecht gelaunt, weil er auf dem Rücksitz seines Omegas geschlafen hat. Er hatte für sich am Samstag zwei Entscheidungen getroffen: er braucht für die Saison 2007 einen neuen Sitz und einen neuen Beifahrer.

Diese Rallye war wieder einmal topp organisiert und hat jede Menge Spaß gemacht.

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr.

© Linda

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